Aller guten Dinge sind 3 (Teilnahmen am Berlin Marathon)
Wiederum war in diesem Jahr für mich der Berlin Marathon der Inline Saisonschluss. Nicht so sicher war ich mir diesmal, wie das denn ausgehen würde. Nach einer eher durchzogenen Saison mit Sturz im Engadin, einigen Einbrüchen, Fussproblemen und Aufgabe in Bern, und weil ich halt in diesem Jahr viel weniger zum trainieren kam, war eine Verteidigung meines Startplatzes im 2. Block schon ein hohes Ziel. Obwohl ich im letzten Monat doch noch einiges gemacht hatte und die Hauptprobe in Tuggen recht gut verlaufen war (auch zum erstenmal wieder mit dem tiefen Schuh), musste ich vor allem Acht geben, nicht zu übersäuern, sprich in einer guten Gruppe möglichst lange mitschwimmen ohne zuviel Aufwand.
Schon in den Tagen vor dem Marathon zeigte sich zudem noch etwas, was die beiden letzten Male kein Thema war, das Wetter nämlich. Herbstlich, wechselnd regnerisch war es die ganze Zeit, und auch um 7 Uhr morgens zeigte der erste Blick nach draussen nichts gutes: Nasse Strassen und Wolken. Es regnete aber wenigstens nicht mehr, und als ich nach dem Frühstück draussen in Richtung S-Bahn ging, zeigten sich erste Lücken in der Wolkenschicht, was mindestens nicht gleich auf den nächsten Regenguss deutete.
Kurz nach 8 Uhr traf ich auf dem wiederum äusserst grosszügig gestalteten Gelände vor dem Reichstag ein, und nach kurzem Umschauen wurden die Skates auch schon montiert, genügend WD40 in die offenen Lager gesprüht, damit das Wasser denen nicht zu viel anhaben konnte. Ein erster Sonnenstrahl kam nun zudem sogar durch. Beim Einfahren auf der Strasse des 17. Juni konnte man ein bisschen üben, wie viel Druck man auf die Rollen geben kann bei den Verhältnissen. Spätestens da war es wohl den meisten klar, dass heute nichts mit Rekordzeiten werden würde.
Um halb Zehn reihten sich die meisten langsam ein in ihren zugewiesenen Zonen, und einige bekannte Gesichter traf man an. Auch die Kollegen von Telebroke versuchten sich einen Block weiter vorne rein zu schummeln. Punkt 10 knallte es das erstemal und die Spitzenfahrer fuhren los, nach einem Fehlstart der Damen waren auch wir bald soweit. Es waren in diesem Jahr einige Skater weniger am Start, weil der frühe Start am Vormittag einigen die Anreise verunmöglichte. Trotzdem ist Berlin mit über 8000 Startenden das grösste Inlinerennen der Welt geblieben.
Wie üblich war der Start mit einigen Rangeleien verbunden, aber dank der üppigen Strassenbreite und der allgemein verhaltenen Geschwindigkeit wegen dem nassen Belag ging alles glatt. Nach dem grossen Stern bildeten sich auch die einzelnen Gruppen, in Berlin sind es halt meistens bis Rennhälfte gleich mehrere nebeneinander. Ich kam zwar gut mit, merkte aber schon auf der Startrunde durch Moabit, dass es mit dem angestrebten Puls von unter 180 schwierig werden würden. Ich setzte aber meinen Vorsatz mindestens so um, dass ich nicht immer den überholenden Gruppen anhängte.
Beim Langenegger Photo-Point nach km 6 vor der CH-Botschaft war ich gut mit dabei, nun galt es gut durch die kurvigen und teilweise mit Baustellen und Tramschienen gespickten Passagen in Berlin Mitte zu kommen. Dies gelang gut und auch die Haarnadelkurve am Hermann-Platz war diesmal keine grosse Herausforderung. Allgemein erlebte ich trotz teilweise immer wieder feuchten Strassenstrecken weniger Stürze um mich herum als auch schon.
Die Rennmitte in Schöneberg passierte ich nach 42 Minuten, da die 1. Hälfte die schnellere ist, war jetzt auch bestätigt dass es keine Wiederholung der 1.20 vom Vorjahr geben würde. Was mich aber zu dem Zeitpunkt mehr beschäftigte, war, ob ich von nun an diesmal wieder so leiden würde, und mich immer wieder würde abhängen lassen müssen. Die lange Geraden durch Steglitz und Dahlem klappten aber diesmal gut, dieses Jahr konnte ich sogar einige „Sterbende“ vor mir überholen und die Lücke nach vorne wieder schliessen. Am Hohenzollern Damm wurde es aber wieder verdammt schnell und meine Füsse schmerzten auch immer stärker. „Nur Aushalten über den Potsdamerplatz“ sagte ich mir, dort bei km 36 war letztes Jahr Schluss, danach rollte ich völlig leer nur noch ins Ziel. Auch das ging diesmal gut, ich musste aber die beiden schnellen Damen ziehen lassen, und mich eine Gruppe weiter hinten wieder anschliessen, was aber gut gelang. Luftlinie wäre es jetzt nur ein paar Hundert Meter in Ziel, die letzten 5 km ziehen sich aber jeweils noch mühselig über wiederum schlechten Belag. 1 km vor Schluss war dann auch diesmal die Luft draussen, ich liess die wenigen in der Gruppe übrigbleibenden ziehen, und fuhr allein ins Ziel. Roger Schneider war das zum Glück vorher nicht passiert, er rettete den sensationellen Solosieg bis ins Ziel!
Mit 1.24.37 war ich zwar fast 5 Minuten langsamer als letztes Jahr, aber bei diesen Verhältnissen war das keine Verschlechterung, ich fuhr sehr zufrieden unter dem Brandenburger Tor durch zum Freibierstand. Die Sauerstoffplanung war optimal aufgegangen, weiter als die 42 km wäre ich aber mit den 182 Durchschnittspuls nicht gekommen. Obwohl ich mir nie überlegt hatte, was den für ein Rang drinläge, freute ich mich doch sehr, es unter die ersten 500 geschafft zu haben, genauer gesagt war es der 499. Rang!
last update: 3.10.04