Zur Vorbereitung auf die Senioren-EM an der
Ligurischen Küste verbrachten wir mit Aeschlimann’s eine
wunderschöne Herbstwoche auf einem Campingplatz in Cervo. Nachdem
wir uns im Strassenverkehr an die beidseitigen Überholmanöver
der Rollerfahrer (auch bei ausgezogener Sicherheitslinie)
gewöhnten, dachten wir uns: „Liebe Italiener, mit 8 Rollen
sind wir auch dabei!“ Was ich zuhause verabscheue, praktizierten
wir infolge ungeeigneter Trainingsstrecken. Zwischen Morgen- und
Mittagessen trainierten wir ab und zu auf der Hauptstrasse und reihten
uns durch Städte wie Andora und Alassio nahtlos in den
Verkehr ein. Die „Gümmeler“ (Rennvelofahrer) freuten
sich, die Fussgänger wunderten sich und wir genossen die
Steigungen und vor allem Abfahrten der Küstenstrasse „Via
Aurelia“.
Am Samstagmorgen meldeten wir uns in Albegna beim Rennbüro und das Abenteuer Senioren-EM konnte beginnen.
Eine liebenswürdige, eifrig improvisierende Equipe des OK konnte
uns wie erhofft die Startnummern (auch für die Thunliners)
aushändigen. Somit hatte also die Anmeldung geklappt. Nur die
bereits bezahlten Erinnerungs-Shirts waren noch nicht vorhanden.
Da wir sowieso zuerst einmal die Strecke besichtigen und ein Auto beim
Ziel in Savona deponieren wollten, kümmerte uns dies wenig.
Die Strecke erinnerte uns ein bisschen an den Engadiner mit einem Schuss Klausenpass, immer mit Sicht aufs Mittelmeer.
Zurück in Albegna waren beim Rennbüro die Shirts wider
Erwarten eingetroffen und einen Champagner gab’s pro Athlet noch
dazu.
Am Renntag trafen wir 3 uns eine Stunde vor Rennbeginn mit den 3
Thunliners auf dem Startgelände, das noch auf kein baldiges Rennen
hindeutete. Innert Kürze zauberten die Italiener aber die
verschiedenen Startblocks auf die Strasse und weiss gekleidete
Schiedsrichter sowie ein Heer von Polizisten fanden sich ein. Nur
unsere Gegner fehlten noch. 10 Minuten vor dem Start bog eine
geführte, farbige Athletenkolonne um die Ecke und wir fanden uns
wieder u.a. zwischen den Nationalmannschaften von Italien, Deutschland,
Holland, Oesterreich in einheitlichen Dresses. (Lieber
Rollsportverband: Gehören wir auch zur europäischen
Inlineszene?)
Kurz nacheinander wurden die verschiedenen Altersklassen auf die
Strecke gelassen. Auf mehrheitlich perfektem Strassenbelag rollten wir
in verschiedenen Gruppen in Richtung Savona. Wir staunten über die
perfekte Streckensicherung bis kurz vor Schluss, dafür
kämpften wir oft gegen starken Gegenwind. Unsere schnelleren
Kollegen genossen die Bedingungen bis zuletzt. Wir Genussroller
kämpften uns auf den letzten 7 km noch durch den Grosstadtverkehr
und fanden den Zieleinlauf nicht richtig, da das Ziel und somit auch
die Zeitmessung schon abgebaut war.
Schade, zu gerne hätte ich noch gewusst, ob ich den einen oder anderen Athleten hinter mir lassen konnte.
Dafür boten uns die Italiener eine würdige Siegerehrung mit
vielen Ehrendamen, Präsidenten und Nationalhymnen. So ähnlich
muss es an der Olympiade gewesen sein.
Dank Graber Pole (Thunliners) durfte ich noch einen
Vizeeuropameister (Kat. 60+) im Kofferraum an den Startort
zurückführen.
Zurück in der Schweiz fand ich mich dann doch noch auf einer
Rangliste. Dieses Glück hatten jedoch nicht alle Teilnehmer,
obwohl die vom Veranstalter gesetzte Zeitlimite eingehalten
wurde.
last update: 12.10.2006