Um 5 Uhr früh flitzte ein blauer Mini von Münchenbuchsee nach Lützelflüh um eine verschlafene Nicole abzuholen. Unsere Fahrt dauerte nicht all zu lange, da wir so ziemlich die einzigen waren, die um diese Uhrzeit nach Basel fuhren. Das Check-in verlief reibungslos und schnell da, wir nur Handgepäck mit uns führten; wir geben doch unsere Skates nicht in fremde Hände. Im Gegenzug hatten wir bei der Sicherheitskontrolle etwas länger, da wir unsere Rucksäcke wegen des Inbusschlüssels leeren, und auf französisch Polizisten, dessen Funktion erklären mussten. Das weckte das Interesse der jungen Männer an unserer Sportart, ein Wunder dass sie uns nicht verhafteten um noch etwas länger mit uns zu plaudern ?. Im Terminal trafen wir auf Reto C. aus T. und Hansueli W. aus S. (ganzer Name aus Personenschutz nur der Redaktion bekannt) und beschlossen die Reise gemeinsam zu bestreiten. Wir überlegten uns aber zweimal ob wir überhaupt in den Flieger einsteigen sollten, da wir vorher im Flughafencafé Gian, einen charmanten Italienischen Kellner kennen lernten, der uns in seine diversen Schlösser in Italien entführen wollte…bla, bla, bla….
Nach einer guten Stunde landeten wir ohne grosse Turbulenzen in Berlin-Schönefeld. Nach der Passkontrolle hatten wir unsere zwei Jungs plötzlich aus den Augen verloren da sie eine nicht vorangekündigte Pinkelpause machten. Wir trafen sie zum Glück an einem Sandwich-Stand wieder, denn sonst würden wir wohl noch heute am Flughafen umherirren. Auf der Fahrt in die Innenstadt fragten wir zwei einheimische Jungs in der S-Bahn ob wir nun durch Ost- oder Westberlin führen, aber die beiden hatten wohl in Geographie Fensterplätze und konnten uns nicht weiterhelfen (Pisa-Studie lässt grüssen).
Bei traumhaft schönem Herbstwetter schlenderten wir vom Bahnhof Friedrichstrasse via Unter den Linden zum Brandenburger Tor wo das Inline-Village aufgebaut war. Eine Vielzahl von Imbissbuden lachte uns entgegen, aber leider reichte das Angebot nur von Würsten über Pommes und sonstigem fettigem Zeugs. Deshalb suchten wir uns ein nettes Pastarestaurant um unsere Kohlenhydratspeicher aufzufüllen.
Nach dem Essen nahmen wir mit Chlöisu Kontakt auf, der netterweise unsere Startunterlagen schon am Freitag abgeholt hatte. An dieser Stelle noch einmal ein grosses MERCI! Wir trafen uns am Zaun zum Platz der Republik wo uns der Durchlass nur mit gültiger Startnummer gewährt wurde, die sich ja noch in Chlöisus Rucksack befand, welcher irgendwo auf diesem Platz deponiert war. Liechtis Argumente waren glaubwürdig genug um die Security zu überzeugen uns auch ohne Nummer aufs Gelände zu lassen. Dort trafen wir auf mehrere bekannte Gesichter aus der CH-Inline-Szene. Nach dem Umziehen deponierten wir unsere Rucksäcke auf die bereitgestellten Lastwagen und rollten uns auf der vorgegebenen Strecke ein, wobei die Fahrtrichtung nicht ganz eruirbar war. Wir begaben uns rechtzeitig in unsere Startblöcke, welche nach früheren Marathonbestzeiten bestimmt wurden, Nicole mit 1h20min in Block B und Ursula mit 1h50min in G; nach dem G gabs tatsächlich noch ein H :-). Während sich Nicole ziemlich bedrängt fühlte war bei Ursula sogar noch die erste Reihe frei, wo sie sich natürlich frech platzierte. Punkt 16.30 Uhr starteten die Elite-Frauen, nach vier Minuten die Männer danach im Minutentakt die Startblöcke B-H.
Wie in vielen Rennen hatte es wieder SkaterInnen, die sich in bezüglich Tempo und Können fatal verschätzt hatten und sich mit einem hässlichen Geräusch beim Aufprall verabschiedeten. Von den Sehenswürdigkeiten sahen wir leider herzlich wenig, aber wir verliessen uns auf den Fotografen Reto C. aus T., der uns versprochen hatte während dem Rennen ein paar Bilder zu knipsen. Wir müssen nun mit der Schuld leben, dass er deswegen acht Minuten auf die Spitze verlor ?. Wegen eines grossen Windschattens übersah Nicole einen Belagsschaden und landete bäuchlings auf der Strasse, aber EmmenSkaters-StehaufFrauchen liess sich nicht unterkriegen, fuhr den Rest im Alleingang und kam nach einer Stunde 23 Minuten und 36 Sekunden im Ziel an. Nach dem Brandenburger Tor traf Nicole auf Chlöisu, dem der Kevlarschutz auch einige Schürfungen bei einem Massensturz erspart hatte. Ursula fuhr von Anfang an in einer Gruppe von 4 Fahrern mit, gab alles um auch dranzubleiben und kam ohne Sturz mit einer sensationellen Zeit von 1:35.08 ins Ziel.
Die Betreuung nach dem Zieleinlauf war genial, man wurde mit Wasser, isotonischem Getränk, Güezi und Bananen versorgt. Mit Wärmefolien und Medaillen begaben wir uns direkt ins Freibier, schliesslich hatten wir uns dies verdient. Das anschliessende gemischte Duschen in Zelten vor dem Reichstag war sehr amüsant jedoch der Wasserstrahl etwas zu dürftig so dass wir ziemlich lange hatten bis das Shampoo restlos aus unseren Mähnen verschwunden war. Das angrenzende Ankleidezelt hatte ein Klima wie in einer Sauna, auch durch hüpfen schaffte man es nicht in die Jeans und so beschlossen wir kurzerhand, das Anziehen nach draussen an die kühle Luft zu verlegen. Chlöisu hatte es da wohl im Hotel etwas einfacher.
Im Village trafen wir auf die Jungs genehmigten uns ein paar Biere und etwas feines Thailändisches. Gegen 23.00 Uhr hätte man nicht mehr meinen können dass wir uns in einer Millionenstadt befinden, denn es hatte ca. nur noch 100 Nasen um uns herum. Also machten wir uns auf die Suche nach der Marathon Party in der Axel-Springer-Passage, jedoch wäre auch Simon Niggli-Luder anhand der Wegbeschreibung auf der Eintrittskarte ratlos gewesen. Nach längerem Marsch und noch müderen Beinen trafen wir noch rechtzeitig vor der Rangverkündigung ein. Später vermischten sich beim Tanz die Weltelite mit den Breitensportlern und wir hatten endlich Gelegenheit Jonny mit der Anmeldung fürs Trainingslager in Grosseto zu drohen, wenn er nicht bald die Daten fürs Skate&Fun-Lager bekannt gäbe?
Um vier Uhr stritten wir uns vor der Disco mit sechs englisch sprechenden Skatern um ein Mercedes A-Klasse Taxi mit fünf Plätzen welcher in ihren Augen, wohl bemerkt mit etwas zuviel Promille, als Sechsplätzer angesehen wurde. Auf der Fahrt zum Flughafen führte Hansueli auf dem Beifahrersitz ein intensives Gespräch mit dem Taxifahrer, wobei uns dreien hinten zwischendurch die Augen zufielen. Das Morgenessen am Flughafen weckte uns ein bisschen und Ursula organisierte für alle das Check-in, welches hier ganz einfach innert einer Minute über einen Computer selbstständig gemacht werden konnte. Die Sicherheitskontrolle wurde peinlich genau durchgeführt und wir wurden nach Ausziehen des Hosengurtes von oben bis unten von einer Frau (leider) abgetastet, wobei wir uns wie Schwerverbrecher vorkamen. Im Flieger ergatterten sich die ganz Müden einen Fensterplatz um beim Schlafen den Kopf anzulehnen. Ursula nahm beim Notausgang platz, schloss die Augen bereits vor dem Start, wurde dann aber von der Flight Attendant über die Massnahmen im Notfall instruiert, welche sie nur im Halbschlaf zur Kenntnis nahm. Was wäre wohl im Ernstfall passiert….
Um 8.30 Uhr landeten wir im Nebel verhangenen Basel wo wir nach der Passkontrolle wie gehabt die Jungs aus den Augen verloren. Diesmal waren wir aber zu Müde um gross nach ihnen zu suchen und begaben uns zielstrebig zu unserem Auto. Nach 30 Stunden ohne Schlaf, Marathon und durchgetanzter Nacht hatten wir nur noch einen Gedanken: Schlafen…
Berlin Marathon 2006: Wir sind dabei!
last update: 1.10.05