Bericht vom Havanna Marathon (Copa Cuba)
Klaus Liechti, 30.4.2003

Als wir an diesem Ostersonntag, frühmorgens noch in der Dämmerung, im Bus am Malécon entlang fahren, sind wir unterwegs zum Havanna Marathon, einem weiteren Höhepunkt und Abschluss unserer 2-wöchigen Inline Skate Tour in Kuba. Der Start soll um 8 Uhr erfolgen, die Strecke auf einer 3-spurigen Ausfallstrasse haben wir am Vortag per Dodge aus dem Jahre 1950 erkundigt, ein Kilometer leicht fallend und auf der Gegenseite entsprechend leicht steigend, das ganze gilt es 20 mal zu absolvieren. Die über 200 km auf kubanischen Landstrassen und Autobahnen, inklusive 700 Höhenmeter auf den "Topes de Collante", sind sicher eine gute Grundlage für die kommende Saison, jetzt für diesen Marathon sind die müden Beine und die sich bemerkbar machenden Kniegelenke wohl eher hinderlich.
Wir fanden, eine Stunde vorher da zu sein passe nicht schlecht, da wir noch keine Startnummern haben, und ein wenig einfahren kann wohl auch nicht schaden. Ausser den ersten (zu dieser Tageszeit noch nicht ganz so übervollen) Bussen und einigen Passanten, welche per Autostopp ihr Glück zum Mitfahren versuchen, ist aber von Inline Marathon weit und breit nichts zu sehen. Um 7.15 finden das sogar unsere kubanischen Reisebegleiter nicht mehr normal, sie fahren mit dem Bus in die nahegelegene "Ciudad Deportiva", um abzuklären ob, wann und wo ein Inline Rennen stattfindet. Kurz nach halb acht sind sie wieder da, wir steigen wieder in den Bus, der Anlass wurde kurzfristig ein paar Strassen weiter verschoben.
Tatsächlich gibt es an diesem neuen Treffpunkt Inline-Aktivitäten zu sehen, einige unserer bekannten Fahrer vom kubanischen Rennteam sind zu sehen, mit uns trifft auch ein Lastwagen voll Polizisten ein, welche die Strecke sichern werden. Die Strasse ist hier fast flach, der Belag scheint besser, der Wechsel also kein Verlust. Katie von Skategrrl.com empfängt uns, sie ist extra aus den USA angereist, um über die Copa Cuba zu berichten. Neben uns 7 Schweizern ist auch noch ein holländisches Paar hier, ansonsten ist dies ein geschlossener kubanischer Anlass der nationalen Inlineszen, bloss etwas mehr als 50 Fahrerinnen und Fahrer werden es sein, für einmal keine chaotischen Massen. An einem SIC Rennen müsste man eine halbe Stunde vorher längstens im Startgatter sein, hier wird um 7.45 immer noch versucht, das Zielband aufzuhängen. Um acht steigt dann auch Santiago aus dem Bus, er ist unser Inline Begleiter und Coach während der Reise und ist seines Zeichen kubanischer Marathon Champion von 1993 bis 1998. Ansonsten haben wir bei unseren Treffen mit den Inline-Kollegen in Havanna und Cienfuegos festgestellt, dass die Kubaner vor allem Bahnfahrer sind, mit exzellenten technischen Skills. Hauptproblem selbst für die besten Fahrer ist es jedoch, an gutes Material zu kommen, meine neuen Varanus 84mm Rollen sorgen hier für einiges Aufsehen. So sehen wir auch im Startfeld, welches sich um 8.20 doch langsam bildet, einige Dresses mit Schweizer Aufdruck, und das ein oder andere von uns gespendete Pärchen Skates dürfte auch dabei sein.
Die Rennleitung erklärt nochmals den Modus, 26 Runden für die Herren (Marathon), 13 für die Damen (Halbmarathon), unklar ist einzig, ob das folgende Startsignal nun für den eigentlichen Start, oder bloss für die Aufwärmrunde gilt. Die kubanischen Skater brettern jedenfalls schon mal voll los, um 200m später abrupt zu bremsen, die erste enge Kehre gilt es zu nehmen, dann wird gleich wieder voll beschleunigt. Nach der zweiten Wende ist dann vor dem Zielband doch wieder Schluss, die Tafel steht auf 26, das Rennen beginnt also erst jetzt dann. Interessanterweise mussten alle vor dem Start die Uhren abgeben, wir dürfen unsere Polars für die Pulsmessung aber anbehalten.
Der zweite Start ist dann weniger überraschend, wiederum geht es rasant los, in der ersten Runde versuchen alle, sich irgendwie zu organisieren. Wir sollen nach der ersten Runde Gruppen bilden, wurde uns mitgegeben, das würde ich sehr gerne tun, aber die Stars düsen vorne weg und das ganze Mittelfeld eines SIC Rennen fehlt hier komplett. So finden sich Walter und ich rasch zu einem gut harmonierenden aber einsamen Duo zusammen, welches fast das ganze Rennen anhält, aber natürlich in harten 50% Führungsarbeit für jeden resultiert.
Wir fahren die ersten Runden mit jeweils fast genau 4 Minuten, was einer Endzeit von 1.44 entsprechen würde, eine doch recht lange Marathonzeit, was erste Zweifel an der Streckenlänge aufkommen lässt. War das der Grund, dass die Uhren abgegeben werden mussten?
Auf diesem Kurs kann man den Rennverlauf auch als Fahrer schön beobachten. Es bildet sich vorne eine erste Spitzengruppe von etwa 10 Fahrern, "unser" Santiago ist dabei. Nach einem weiteren Feld, indem auch die Spitzenfahrerinnen dabei sind, kommen schon bald Walter und ich, wir ziehen zwischendurch immer wieder einen jungen Fahrer mit quietschenden Lagern mit, der dann jeweils wieder los spurtet und sich dann zurückfallen lässt. Unsere Damen halten sich exzellent, Gabi und Vre kurz hinter uns, Sibylle und Sue an ihrem ersten Rennen überhaupt und dazu allein fahrend sehr gut, und auch Sabine wird das Rennen gut meistern.
Walter und ich erreichen die ersten 13 Runden in 54 Minuten, was einer doch sehr langen Halbmarathonzeit entspricht. Da uns die Spitze bis dahin erst 2mal überholt hat, also trotz aller Taktik und Bummelei auch über 45 Minuten brauchte, bestärkt die Zweifel an der Streckenlänge.
Für die Kubaner geht es nicht wie für uns vor allem ums mitmachen, vielen steigen während dem Rennen aus, wenn sie sehen, dass sie nicht mehr vorne mithalten können, das ganze wird zum Ausscheidungsrennen.
Da nach der Hälfte auch alle Damen fehlen, wird es plötzlich ziemlich leer auf der Strecke. Walter spürt seine schmerzenden Füsse immer mehr, und bald schon fahre ich ganz für mich alleine. Santiago hat mit seiner Attacke alle stehen gelassen, das Verfolgerfeld konzentriert sich nur noch auf Platz 2 und bleibt zwischendurch fast stehen, was mir ermöglicht eine der drei verlorenen Runden zwischendurch wieder wett zu machen. Santiago fährt als strahlender Sieger über die Ziellinie, wir freuen uns riesig für ihn, und sind froh haben ihm diese 2 Wochen mit uns offenbar alles andere als geschadet!
Nach der Durchfahrt der Verfolger erhalte ich das Motorrad als Begleitung, und fahre so mächtig stolz meine letzten beiden Runden. Das Rennen wird mit meiner Zieldurchfahrt dann abgebrochen, diejenigen (nicht mehr sinds...) hinter mir werden aus dem Rennen genommen. Robert aus Holland freut sich darüber, knapp vor mir ins Ziel zu kommen, er hat wohl nicht bemerkt, dass ich ihn zweimal überrundet habe. Ich stoppe 1.54 als meine Rennzeit, wie lange die Strecke genau war weiss ich nicht. Ist auch nicht so wichtig, das Erlebnis war phänomenal. Wir erholen uns anschiessend am Strand von "Playa del Este", abends erfolgt dann noch die Rangverkündigung, wo wir unseren Sieger Santiago und uns selber bei Salsa nochmals feiern.

-> weitere Bilder der Cuba Inline Reise

last update: 30.4.03