Rennberichte vom One-Eleven in St. Gallen, 10.08.2003

Bericht Thomas Berchten

"111km (113?) und 1700 Höhenmeter"
Dies sind nicht etwa die Daten eines Bikerennens, sondern die des Inlinerennens OneEleven in St.Gallen.
Am Vortag erlebten einige mit "Schwester Michelle" eine unterhaltsame Autofahrt mit einigen "Brunzhalten", wie das bei Frauen so üblich ist. In Goldach bezogen wir anschliessend die gemütliche Unterkunft (bravo Patrick) und genossen unsere eigene, kurze Pastaparty (merci Anita). Als die Cracks mit dem Zähneputzen anfingen, erledigten wir Senioren wie in einem Pfadilager noch die Küche.

Am Sonntag um 7Uhr nahmen wir zu zehnt mit Gästen dieses Abenteuer in Angriff und brachten es trotz kleineren Stürzen und brütender Sonne hinter uns. (Richi’s eleganter Hechtsprung ins Gras war sogar kurz im Sportpanorama SFDRS zu sehen). Beeindruckend war vor allem, wie der geschwächte Fabian diese Strapazen ertrug und sich bis ins Ziel kämpfte! (Vielleicht stellte er sich nebenstehendes Bild vor?)
Auch sonst konnte man während der ganzen Renndauer einiges erleben. Z.Bsp. als mich Fränzi Isler das erste Mal überholen wollte, flog sie noch etwas zu tief. Nach dem Zusammensuchen der Getränkeflasche kam sie anschliessend aufrechter daher und flog dafür an mir vorbei. Auch in den umliegenden Feldern lagen ab und zu regungslose Gestalten umringt von Personen in Leuchtwesten. Bei solchen Anblicken überprüfte ich jeweils kurz den Sitz meiner Kevlarunterhosen und fuhr in meinem Trott weiter.
Da das Verpflegungskonzept so genial funktionierte, beschloss ich, bei der zweiten Durchfahrt in Altnau meiner Familie den überflüssigen Ballast (Trinkrucksack, Verpflegungsgurt) abzugeben. Ein paar Kilometer später realisierte ich, dass nun Monika statt ich im Besitze von Kleiners Autoschlüssel war! Unfreiwillig entschloss ich mich deshalb zur Umkehr, um meine Konkurrenten einmal von vorne anzuschauen und meine Familie noch einmal kurz zu sehen. Dabei wurde mir oft zugerufen:"He, farsch i die falschi Richtig" und beim Duschposten hörte ich: "jetz chunnt dä Siech scho wieder".

Vor 3 Wochen in Zug glaubten wir noch das anstrengendste Rennen dieser Saison gefahren zu sein. Nun erlebten wir offenbar das härteste Inlinerennen Europa’s. Trotzdem war es vor allem bezüglich Teamgedanken das beeindruckendste Erlebnis in unserer noch jungen Teamgeschichte.

Bericht Patrick Monn

Nun war es so weit, das härteste Langstreckenrennen in Europa stand vor der Türe. Das härteste? So etwas stand auf den Flyer und im Internet, man darf doch nicht alles glauben, oder? Was die Leute alles für ein Marketing betreiben um die Läufer an den Start zu bringen :-)

So nun zur Geschichte des 111 Km:
Um 18 Uhr hatte unser 111 Km Abenteuer den Anfang. Habt Ihr schon einmal eine lebendige Leiche sprechen gehört? Bis zu diesem Zeitpunkt ich auch nicht, aber da lag eine Person am Boden und wollte wieder ein Blumenbeet düngen. Fabian hatte vermutlich am Morgen eine davonlaufende Milch verfolgt und diese heimlich verschlungen. Die Milch hat sich dann ab dem Mittag gerächt.
Anita und ich haben danach zuerst einmal Fabian aufs Zimmer gebracht und ihn notfallmässig versorgt. Da wir dem armen Herrn helfen wollten, haben wir uns auf den Weg gemacht um beim Medizinmann um Rat zu fragen. Der Medizinmann hat uns eine geheime Goldacher Rezeptur überreicht, die Wunder gewirkt hatte. (Merci Familie Monn). Fabian war um 20 Uhr wieder fit und munter.

Ich möchte mich bei Anita für das tolle Abendessen bedanken, wir hatten sie danach für das nächste Jahr wieder gewählt…. :-)

Sonntag 10.09.2003; Start 07 Uhr ab Olmahalle:
Der Startschuss war gefallen, die vielen Athleten brausten davon, die einen schnell, die anderen sehr gemütlich (dies waren wir :-) ). Wir hatten uns dem Hyperteam angeschlossen, dieser Entscheid, war vermutlich das Beste was wir machen konnten. Das Anfangstempo war für meine Verhältnisse zu langsam, dies war aber nur in meinem Kopf ein Problem, ich bin froh, bin ich bei dieser Gruppe geblieben.
Bis bei der Abfahrt Muolen waren wir (Phippu, Richi, Hannes und ich) noch beisammen. Wie schon gesagt bis zur Abfahrt….
Vor der Ortschaft Muolen mussten wir eine Abfahrt bewältigen die uns von Erzählungen bekannt war. Leider schafften nicht alle diese Kurve. Richi wollte nicht mehr auf dem harten Teer fahren, also hat er sich vermutlich gedacht, der Rasen sollte sicher weicher sein. Ich hatte den Sturz von Richi erst nach ca. 5 Minuten mitbekommen, aber es wurde viel erzählt. Ich hatte dann aber im Sportpanorama Zeit diesen Sturz anzuschauen. Wir sind dann ohne Richi weitergefahren, ich hoffe Richi Du bist uns nicht böse darum.
Bei Kilometer 80 hörte ich dann Phippu stöhnen, dass seine Muskeln nicht mehr wollen. Seine Krämpfe wurden stärker und er musste uns ziehen lassen. Auch hier hoffe ich Phippu ist uns nicht böse darum, aber so ist der Sport, es hätte auch mich treffen können.

Nur noch 15 Kilometer………………..
Endlich war es so weit, wir mussten nur noch 15 Kilometer bis St. Gallen, aber es lagen noch ein, zwei Hügel vor uns. Ich hatte mir etwas Steiles vorgestellt, aber dass so etwas Steiles kommen wird, hatte ich nicht ausgerechnet. Es war die Hölle, oder gibt es noch etwas Schlimmeres? Jetzt endlich konnte ich verstehen, dass unsere Fahrweise optimal auf diesen Berg eingestellt war. Je näher wir St. Gallen kamen, um so mehr Fahrer holten wir ein.
Bis 5 Kilometer vor dem Ziel waren Hannes und ich noch beisammen, doch ich wollte es noch einmal probieren. Ich hatte das Tempo angezogen und habe dieses bis zur Olmahalle durchgezogen. Ich war seit dem letzten Bike Masters nie mehr so glücklich im Ziel angekommen. Das Leiden hatte endlich ein Ende.

War dies wirklich die Hölle, oder gibt es noch etwas Schlimmeres?
Ich möchte mich bei den Emmenskaters für das Teamwork im Rennen bedanken, aus meiner Sicht war dies ein schönes, aber ein hartes Rennen.

-> Resultate

last update: 12.8.03