Bericht vom Lausanne Halb-Marathon, 26.10.2003
Teres Liechti Gertsch

Es gibt verschiedene Arten für Inline-Skater, einen Schlusspunkt hinter die Saison zu setzen. Eine der schönsten, pfiffigsten Möglichkeiten bietet der Lausanner Marathon, jeweils am letzten Oktober-Wochenende. Dieser führt für die Marathon-Läufer von Lausanne nach La-Tour-de-Peiltz und zurück, auf der gesperrten Kantonsstrasse durch die atemberaubend schöne Gegend des Lavaux, mit herbstfarbigen Rebbergen und Blick auf den Genfersee. Es werden auch Halb- und Viertel-Marathon angeboten, und quasi Gast-Disziplin ist das Inline-Skating mit einem Halbmarathon, welcher auf der Marathon-Strecke bis in die Hälfte führt, bis kurz nach dem Dorf Rivaz, und von dort zurück nach Lausanne.

Es macht Spass und ist ein eindrückliches Erlebnis, einmal als Skater bei einem Läufer-Gross-Event mitzumachen. Die Ambiance ist jeweils grossartig, Publikum und Veranstalter haben Freude an unseren Röllchen, und der Anlass ist unbedingt zu empfehlen!

Das Läuferfest beginnt im Prinzip schon am Samstag. Bereits da können Startnummer und Maillot abgeholt werden. Inliner, die mit dem Auto anreisen, können beides auch am Sonntag früh noch abholen, für Zugfahrer wird dies knapp. So gönnen Heinz und ich uns schon am Samstagnachmittag die Marathon-Amibiance, holen in der Turnhalle beim Schwimmbad Bellerive meine Sachen und geniessen dann das geschäftige Treiben an der sonnigen Plage von Ouchy, wo Hunderte von Sportlern ebenfalls herumschlendern – alle sind wir leicht erkennbar an der Plastiktasche, die uns abgegeben wurde, mit Startnummer, Leibchen und vielen Sponsorgeschenken – und dies alles für ein Startgeld deutlich unter Megachiroptera-Verhätnissen: Für die Skater sind es 27 Franken.

Was der Deutschschweiz kaum die Berichterstattung wert ist, löst in der Romandie ein grosser Echo aus – die Fernsehstationen von Télé Suisse Romande und auch französische Senderketten sind vor Ort, zur Übertragung des Lausanne Marathon, welcher seit letztem Jahr zusätzlich unter dem Motto "Mémorial Franziska Rochat-Moser" stattfindet, zum Gedenken an die auf einer Schitour im März 2002 tödlich verunfallte Marathon-Läuferin. Für mich, die ich die schon die zehnjährige, wild lustige Fränzi zu deren Orientierungslaufzeiten gekannt habe, hat es schon eine eigene Wehmut, nun an einem Memorial für sie am Start zu stehen.

Über 7000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind es insgesamt am Lausanne Marathon, und die kleine Inline-Gemeinde von knapp 400 Skaterinnen und Skatern nimmt sich da in der Tat recht bescheiden aus. Aber alle freuen sich, und einen herrlichen Kurs bietet man uns in der Tat an, wenn auch streckenweise auf recht rauhem Asphalt.

Sonntag um 9 Uhr 05 - Winterzeit, zum Glück! – starten wir, bei strahlender Sonne und kalten 4 Grad, 5 Minuten nach den Rollstuhlfahrern, welche die selbe Strecke absolvieren. Der Start ist auf der Avenue Général Guisan, eingangs des Vorortes Pully. Wir starten nicht am selben Ort wie der Hauptmarathon, sondern etwas vorversetzt, da man uns vernünftigerweise eine recht scharfe Abfahrt gleich zu Beginn der Strecke ersparen will. Der Speaker informiert die Zuschauer, dass es eine Freude sei, die Inline-Rennen nun auch hier in der Romandie Fuss fassen zu sehen, da bisher die welschen Inliner sich fast ausschliesslich auf die Half-Pipe konzentrierten (und hier ist ja Lausanne führend bezüglich der wildest wild Freaks, wie man immer wieder vor Ort oder in abenteuerlichen Fernsehreportagen sehen kann!). Outre-Sarine, sagt der Speaker weiter, sei das alles eben ganz anders, in der Deutsch-Schweiz gebe es tatsächlich eine ganze Inline-Renn-Serie...!

Die Rollstuhl-Rennfahrer starten, Champion Heinz Frei an der Spitze, und wir im Breitfeld wissen, für uns ist er uneinholbar, wir werden ihn allenfalls auf seinem Rückweg uns entgegenflitzen sehen...! Einzig die Inline-Spitze kann die Rollstuhl-Rennläufer jeweils auf längeren Strecken schlagen: Pia Knecht wird das Rennen mit 41.09.6 beenden, Heinz Frei mit 45.15.1.

Es ist eine recht fordernde Strecke, nicht nur des rauhen Belages wegen, sondern auch wegen des copuierten Geländes. Es hat mehrere Aufstiege, so einen wirklich nahrhaften ganz zum Schluss, gegen Rivaz, und im Gegenzug dann auch schöne Abfahrten. Alte Hasen, wozu ich mich zählen kann, da es nach 1998, 1999 und 2000 meine vierte Teilnahme ist, fahren häufig auf dem Trottoir, wo der Belag glatter ist. Dafür ist aber dann das mahnende bis fordernde "A gauche!" auch häufiger, das taktische Gerangel findet nun eben auf dem schmalen Trottoir-Band statt.

Atemberaubend im übrigen, durch die Rebberge zu fahren, und lustig, die Infrastruktur für die Marathon-Läufer zu sehen und auch zu geniessen. Alle fünf Kilometer gibt es Verpflegung und Animation, das heisst Essen, Trinken und anfeuernde Lautsprechermusik, so dass man die Aufstiege mit "Life is live!" und "Macarena" in Angriff nehmen kann. Und überall ist die Strecke gesäumt von anfeuerndem Publikum, welches schon uns Frühstartern einen tollen Support gibt.

Das "Breitfeld" ist schmal, von den 392 Teilnehmern insgesamt besteht rund die Hälfte aus reinen Plauschläufern, die sich wirklich Zeit nehmen, und vorne hat sich die Spitze mit Pia Knecht natürlich zum vorneherein wegkapituliert. So bleiben 100 bis 150 Läuferinnen und Läufer, die versuchen, ein taktisch möglichst gutes Rennen zu fahren – eine recht kleine Basis in der Tat. Mehrmals bin ich gezwungen, alleine zu laufen, dann wieder ergibt sich für ein paar Kilometer ein Windschattenpäckli. Schon beim Umdrehen in Rivaz muss ich feststellen, dass die Wunschzeit von unter einer Stunde wohl nicht drinliegt, zu verhalten war der Beginn des Rennens für das Mittelfeld offenbar gewesen – die Kälte mag das ihre beigetragen haben. Zurück auf der Höhe des Dorfes Cully, bei 52 Minuten sehe ich, dass es effektiv nicht langt, was mich natürlich trotzdem nicht hindert, noch das Schnellste und Beste zu geben, was mir möglich ist. Mit 1.02.20 beende ich auf Platz 40 von 136 Damen meine Inline-Saison 2003, darf für mich zufrieden sein – und freue mich schon unbändig auf die Saison 2004, welche mir neben SIC-Rennen und sicherer Rückkehr an den Lausanner Marathon auch die häufigen Begegnungen mit euch bringen wird: den Emmenskaters, welche als orange-silberne Blitze ihren Erfolgen entgegenspeeden und dabei für ein fachsimpelndes freundschaftliches Schwätzchen vor und nach dem Wettkampf immer zu haben sind.

Häbet e gueti Zyt, und bis 2004!

last update: 27.10.03